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<title>Gerard Pucelle</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Gerard Pucelle</span></h1>
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<div id="mw-content-text" class="mw-body-content mw-content-ltr" lang="de" dir="ltr"><div class="mw-content-ltr mw-parser-output" lang="de" dir="ltr"><p><b>Gerard Pucelle</b> († <a href="13._Januar" title="13. Januar">13. Januar</a> <a href="1184" title="1184">1184</a> in <a href="Coventry" title="Coventry">Coventry</a>) war ein Geistlicher und Kirchenrechtler, der im 12. Jahrhundert in Frankreich, Deutschland und England tätig war. Ab 1183 war er Bischof der englischen <a href="Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_Lichfield" title="Liste der Bischöfe von Lichfield">Diözese Coventry</a>.
</p>

<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Lehrtätigkeit_in_Paris_und_Köln"><span id="Lehrt.C3.A4tigkeit_in_Paris_und_K.C3.B6ln"></span>Lehrtätigkeit in Paris und Köln</h2></div>
<p>Die Herkunft von Gerard Pucelle ist unbekannt. Dem Vornamen nach war er <a href="Anglonormannen" title="Anglonormannen">Anglonormanne</a> oder Franzose. Vor 1156 lehrte er <a href="Kirchenrecht" title="Kirchenrecht">Kirchenrecht</a>, vielleicht auch Theologie und <a href="R%C3%B6misches_Recht" title="Römisches Recht">Römisches Recht</a> an den Schulen in Paris. Dabei gewann er die spezielle Gunst des französischen Königs <a href="Ludwig_VII._(Frankreich)" title="Ludwig VII. (Frankreich)">Ludwig VII.</a> Wohl unter Erzbischof <a href="Thomas_Becket" title="Thomas Becket">Thomas Becket</a> von Canterbury, der ihm mehrere <a href="Pfr%C3%BCnde" title="Pfründe">Pfründen</a> übergab, kam er nach England. Als Becket sich jedoch mit König <a href="Heinrich_II._(England)" title="Heinrich II. (England)">Heinrich II.</a> überwarf und im November 1164 ins Exil nach Frankreich ging, begleitete Pucelle ihn. Anfang 1166 hielt er sich in Deutschland auf, das damals den Gegenpapst <a href="Paschalis_III." title="Paschalis III.">Paschalis III.</a> gegen Papst <a href="Alexander_III._(Papst)" title="Alexander III. (Papst)">Alexander III.</a> unterstützte. Pucelle wurde in Köln feierlich empfangen, dessen Erzbischof <a href="Rainald_von_Dassel" title="Rainald von Dassel">Rainald von Dassel</a> dem Kaiser als Kanzler diente. <a href="Johannes_von_Salisbury" title="Johannes von Salisbury">Johannes von Salisbury</a>, ein Freund von Pucelle, protestierte gegen diesen Besuch bei den Gegnern von Alexander&nbsp;III. und lehnte Pucelles Einladung ab, ebenfalls nach Deutschland zu kommen. Pucelle blieb dagegen in Köln, wo er wohl als Schulmeister an der <a href="Domschule" title="Domschule">Domschule</a> lehrte. Während dieser Zeit war Köln eines der Zentren für <a href="Kanonisches_Recht" title="Kanonisches Recht">kanonisches Recht</a> in Deutschland.
</p><p>In einem Brief an Becket bekräftigte Pucelle noch 1167 seine Loyalität gegenüber Becket, der weiterhin im Exil lebte. 1168 kehrte Pucelle jedoch nach England zurück, wo er König Heinrich&nbsp;II. die Treue schwor. Im Verlauf des Jahres gelang es ihm jedoch, sich auch mit dem darüber erzürnten Becket auszusöhnen. Auf Wunsch von Becket erteilte Papst Alexander&nbsp;III. Pucelle die <a href="Absolution" title="Absolution">Absolution</a>, dass er den Gegenpapst unterstützt hatte. Im Gegenzug musste er auf die Pfründen verzichten, die er in Deutschland erhalten hatte. Becket und auch der Papst setzten sich nun bei König Ludwig&nbsp;VII. für Pucelle ein, der dann wohl wieder in Frankreich lehrte. Pucelle wollte nun ein Treffen von Becket mit <a href="Geoffrey_Ridel" title="Geoffrey Ridel">Geoffrey Ridel</a>, dem Archidiakon von Canterbury und Bischof <i>Froger</i> von <a href="Liste_der_Bisch%C3%B6fe_von_S%C3%A9es" title="Liste der Bischöfe von Sées">Sées</a> vereinbaren. Johannes von Salisbury kritisierte ihn deshalb erneut, weil diese beiden den Gegenpapst unterstützten, und warnte ihn, dass die Kirche ihm kein zweites Mal verzeihen würde. Das Treffen kam nicht zustande.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Im_Dienst_von_Erzbischof_Richard_of_Dover">Im Dienst von Erzbischof Richard of Dover</h2></div>
<p>Zwischen 1174 und 1183 bezeugte Gerard Pucelle mindestens 56 Urkunden von Erzbischof <a href="Richard_of_Dover" title="Richard of Dover">Richard of Dover</a>, der nach Beckets Ermordung zum neuen Erzbischof von Canterbury gewählt worden war. Damit bezeugte er etwa ein Viertel der erhaltenen Urkunden des Erzbischofs, wobei er meistens als erster der Zeugen genannt wurde. Dabei gehörte Pucelle nicht ständig zum Gefolge des Erzbischofs. Anfang 1178 war er zusammen mit <a href="Petrus_von_Blois" title="Petrus von Blois">Petrus von Blois</a> in Rom, wo er Richard of Dover in einem Streit mit <a href="Abtei_St._Augustinus" title="Abtei St. Augustinus">St Augustine’s Abbey</a> in Canterbury vertrat. Papst Alexander&nbsp;III. lobte Pucelles Gelehrsamkeit und sein Wissen und erlaubte ihm im Februar 1178, für vier Jahre die Einkommen seiner englischen Pfründen zu beziehen, während er wieder als Lehrer tätig war. Im März 1178 erlaubte ihm der Papst auch wieder den Bezug der Einkünfte aus seinen Pfründen in Deutschland. Auch Kardinal Pietro da Pavia, der <a href="P%C3%A4pstlicher_Legat" title="Päpstlicher Legat">päpstliche Legat</a> in Frankreich, empfahl Pucelle um diese Zeit dem Papst. Im März 1179 nahm Pucelle als Richard of Dovers Vertreter am <a href="Drittes_Laterankonzil" title="Drittes Laterankonzil">Dritten Laterankonzil</a> teil. In Rom setzte er sich vergeblich für Master <a href="Bertram_(Metz)" title="Bertram (Metz)">Bertram</a> ein, den gewählten Erzbischof von Bremen, der vermutlich ein Schüler von ihm in Köln gewesen war, aber schließlich doch nicht Erzbischof wurde. Ab 1180 lehrte Pucelle vermutlich noch einmal in Köln, ehe er vor September 1181 nach England zurückkehrte.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bischof_von_Coventry">Bischof von Coventry</h2></div>
<p>Im Mai oder Juni 1183 wurde Pucelle zum Bischof der englischen <a href="Bistum_Coventry_und_Lichfield" title="Bistum Coventry und Lichfield">Diözese Coventry</a> gewählt. Am 25.&nbsp;September wurde er in Canterbury zum Bischof geweiht. Er starb jedoch schon wenige Monate später. Er wurde in der <a href="Kathedrale_von_Coventry" class="mw-redirect" title="Kathedrale von Coventry">Kathedrale von Coventry</a> beigesetzt. Die Umstände seines Todes waren so verdächtig, dass vermutet wurde, dass er vergiftet wurde.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Bewertung">Bewertung</h2></div>
<p>Nach dem Chronisten Herbert of Bosham († um 1194) war Pucelle ein gefeierter Anwalt und Lehrer. Der Gründe für seinen Ruhm sind allerdings nicht gänzlich geklärt. Als Spezialist für Kirchenrecht gilt Pucelle als früher <a href="Dekretist" title="Dekretist">Dekretist</a>,<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> doch obwohl er in Paris und Köln gelehrt hatte, sind von ihm keine Schriften bekannt. Allerdings berufen sich verschiedene andere Kirchenrechtler auf ihn und zitieren Lehren von ihm. Als einziger Kirchenrechtler des 12.&nbsp;Jahrhunderts kannte er die Lehren des <i>Cresconius Africanus</i>, einem obskuren Kirchenrechtler des 6.&nbsp;oder 7.&nbsp;Jahrhunderts aus Afrika. Der andere Kirchenrechtler, der diesen Cresconius Africanus kannte, war möglicherweise einer seiner Schüler.
</p><p>Pucelle war anscheinend ein unpolitischer Mensch. Sein erster Aufenthalt in Köln, das damals den Gegenpapst unterstützte, kann bestenfalls als unklug bezeichnet werden. Ebenso unloyal verhielt er sich zu Becket, als er König Heinrich&nbsp;II. die Treue schwor. Möglicherweise glaubte er, als Vermittler dienen zu können, und in der Tat gelang es ihm, dass sowohl Papst Alexander&nbsp;III. wie auch Becket ihm vergaben. Später gehörte Erzbischof Richard of Dover zu seinen Förderern. Dennoch setzte sich Pucelle für <a href="Battle_Abbey" title="Battle Abbey">Battle Abbey</a> ein, die – wohl zu Recht – behauptete, eine Urkunde von Richard of Dover sei ungültig. Sollte er wirklich vergiftet worden sein, wurde er wohl das Opfer von lokalen Machenschaften in seiner Diözese.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Johannes Fried: <cite style="font-style:italic"><i>Gerard Pucelle und Köln</i></cite>. In: <cite style="font-style:italic">Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte. Kanonistische Abteilung</cite>. <span style="white-space:nowrap">Band<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>68</span>, 1982, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>125–135</span>, <a href="Digital_Object_Identifier" title="Digital Object Identifier">doi</a>:<span class="uri-handle" style="white-space:nowrap"><a rel="nofollow" class="external text" href="https://doi.org/10.7767/zrgka.1982.68.1.125">10.7767/zrgka.1982.68.1.125</a></span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Gerard+Pucelle&amp;rft.atitle=Gerard+Pucelle+und+K%C3%B6ln&amp;rft.au=Johannes+Fried&amp;rft.btitle=Zeitschrift+der+Savigny-Stiftung+f%C3%BCr+Rechtsgeschichte.+Kanonistische+Abteilung&amp;rft.date=1982&amp;rft.doi=10.7767%2Fzrgka.1982.68.1.125&amp;rft.genre=book&amp;rft.pages=125-135&amp;rft.volume=68" style="display:none">&nbsp;</span></li>
<li>Charles Donahue: <cite style="font-style:italic">Gerard Pucelle as a canon lawyer: life and the Battle Abbey case. In: R. Helmholz, P. Mikat, J. Müller und M. Stolleis: Grundlagen des Rechts: Festschrift für Peter Landau zum 65. Geburtstag</cite>. Schöningh, Paderborn 2000, ISBN 3-506-73392-3, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em">&nbsp;</span>333–348</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&amp;rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&amp;rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Gerard+Pucelle&amp;rft.au=Charles+Donahue&amp;rft.btitle=Gerard+Pucelle+as+a+canon+lawyer%3A+life+and+the+Battle+Abbey+case.+In%3A+R.+Helmholz%2C+P.+Mikat%2C+J.+M%C3%BCller+und+M.+Stolleis%3A+Grundlagen+des+Rechts%3A+Festschrift+f%C3%BCr+Peter+Landau+zum+65.+Geburtstag&amp;rft.date=2000&amp;rft.genre=book&amp;rft.isbn=3506733923&amp;rft.pages=333-348&amp;rft.place=Paderborn&amp;rft.pub=Sch%C3%B6ningh" style="display:none">&nbsp;</span></li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<ul><li>Charles Donahue jun.: <i>Pucelle, Gerard (d. 1184)</i>. In: Henry Colin Gray Matthew, Brian Harrison (Hrsg.): <i><a href="Dictionary_of_National_Biography" title="Dictionary of National Biography">Oxford Dictionary of National Biography</a></i>, from the earliest times to the year 2000 (ODNB). Oxford University Press, Oxford 2004, ISBN 0-19-861411-X; <a href="https://doi.org/10.1093/ref:odnb/49666" class="extiw external" title="doi:10.1093/ref:odnb/49666">doi:10.1093/ref:odnb/49666</a> <small>(Lizenz erforderlich)</small>, Stand: 2004.</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text">Anne J. Duggan: <i>De consultationibus. The Role of Episcopal Consultation in the Shaping of Canon Law in the Twelfth Century</i>. In: Martin Brett, Bruce Clark Brasington, Kathleen G. Cushing: <i>Bishops, texts and the use of canon law around 1100: essays in honour of Martin Brett</i>. Ashgate, Burlington 2008. ISBN 978-0-7546-6015-6, S. 202</span>
</li>
</ol>
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